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Mittwoch, 11. Dezember 2013

Der Weihnachtswunsch Zauberpunsch von Jasmin Wollesen





„Mann, ist das kalt draußen! Wenn ich zuhause bin, trinke ich erst einmal einen heißen Kakao!“, Laura pustet in ihre Handschuhe, um ihre eiskalten Finger wenigstens ein bisschen aufzuwärmen. Dann zieht sie die Mütze noch tiefer ins Gesicht.
Seit Tagen regnet es Bindfäden. Draußen ist es kalt und nass. Alles sieht grau und trist aus. Nur noch ein paar Tage, dann sind endlich Weihnachtsferien und Laura muss nicht mehr jeden Tag zu Fuss zur Schule gehen. Bei dem Wetter macht das nämlich überhaupt keinen Spass. Eigentlich freut Laura sich schon auf das Weihnachtsfest aber ein bisschen traurig ist sie auch. Papa und Mama streiten seit einigen Wochen ständig.  Mama hat gesagt, sie findet Weihnachten anstrengend. Vor allem dann, wenn die ganze Familie zu Besuch kommt. Und Papa meinte, nur Mamas Mutter wäre anstrengend und sonst niemand. Das fand Mama natürlich nicht sehr nett. Überhaupt hat Laura das Gefühl, dass alle nur genervt sind.  Selbst die sonst so freundliche Verkäuferin in der Bäckerei hat Laura heute morgen ausgeschimpft, weil ihr das Kleingeld runtergefallen ist und sie dann auf allen Vieren im Laden herum krabbeln musste, um es wieder aufzusammeln. Und auch Frau Blümchen, ihre Klassenlehrerin, die sonst immer so nett lächelt, ist im Moment ziemlich mies gelaunt. Sie hat heute sogar Strafarbeiten verteilt. Das hat sie sonst noch nie gemacht! Anni, Lauras beste Freundin, meint auch dass im Moment alle Erwachsenen schlecht gelaunt sind.  Vielleicht liegt das an dem schlechten Wetter. Niemand hat Lust raus zu gehen. Aber wie soll man da als Kind eine schöne Weihnachtsstimmung bekommen?



©Jasmin Wollesen

Leseprobe aus "Der Weihnachtswunsch Zauberpunsch", erhältlich bei amazon.

Mehr über die Autorin auf ihrer Homepage

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Tiklas findet Freunde von Evelyn Sperber-Hummel



Im Dezember hatte Tiklas, der kleine Drache, immer kalte Füße und auch sonst war ihm um diese Zeit frostig zumute. Besonders vor Weihnachten. Da fühlte er sich einsam. Abends saß er vor seiner Drachenhöhle und schaute hoch zum schwarzen Himmel, an dem tausend Sterne glitzerten. Eine Gruppe von Sternen hatte sich zu einem Drachen zusammengeschlossen. Das stand in dem dicken Buch, das Tiklas im Sommer auf einer Wiese gefunden hatte. Das Sternbild sah aus wie einer dieser Drachen, die die Kinder im Herbst in die Lüfte aufsteigen ließen. Tiklas hatte ihnen von seiner Höhle aus oft zugeschaut.

Einmal war er aus seiner Höhle herausgekommen, weil er gerne mitspielen wollte. Doch die Kinder waren schreiend vor ihm geflüchtet. Schnell hatte sich Tiklas wieder in seiner Höhle verkrochen und noch heute hielt er sich die Ohren zu, wenn er an das laute Schreien und Kreischen der weglaufenden Kinder dachte. Solchen Lärm konnte Tiklas nicht ertragen. Er war nämlich einer jener sehr leisen Drachen, die die sanften Töne liebten und bei jedem Krach Ohrenschmerzen bekamen.

Deshalb wohnte er ganz allein in seiner Höhle. Noch nie hatte er einen Drachen getroffen, der sein Freund oder seine Freundin hätte sein können. Alle Drachen, die er kannte, waren so laut und aufdringlich, dass er sich in den hintersten Winkel seiner Höhle verkroch, wenn sie mit lautem Getöse durch die Luft flogen.

Tiklas liebte die Stille und schöne zarte Musik. Und so saß er oft vor seiner Höhle und lauschte dem Zwitscherkonzert der Vögel, dem Zirpen der Grillen, dem Summen der Bienen und all den lieblichen Melodien, die zu ihm herüberwehten. Das klang so schön, dass Tiklas die Augen schloss und lächelte.

Wenn der Herbst zu Ende ging und die Kälte den Winter ankündigte, verstummten die schönen Gesänge. Dann wurde Tiklas traurig, und vor Weihnachten fühlte er sich jedes Jahr einsam und verlassen. Er sehnte sich nach Spielgefährten, doch alle Drachen, die er kannte, waren laute Polterdrachen.

In diesem Jahr war Tiklas noch trauriger als sonst. So traurig, dass er nicht einmal den CD-Player einschaltete, der ihm sonst die dunkle kalte Zeit mit zauberhaften Melodien heller und freundlicher machte. Dicke klebrige lila Drachentränen flossen aus seinen grünen Drachenaugen. Er saß in seiner Höhle und hatte den Kopf auf die Hände gestützt und grübelte. Ach, wenn ich doch einen Freund oder eine Freundin hätte, dachte er.

„Hey, du!“, schrie plötzlich eine laute Stimme. „Hey, du! Warum weinst du denn?“ Einer dieser schrecklichen Spektakel-Drachen war zu Tiklas in die Höhle gebraust. „Hey, du, bald ist Weihnachten! Da musst du dich freuen und nicht Trübsal blasen. Wie heißt du eigentlich?“

„Tiklas“, sagte Tiklas und hielt sich die Ohren zu. Die dicken Tränen flossen weiter aus seinen grünen Drachenaugen.

„Hey, du! Ich heiße Flipsus. Wollen wir ein Fass aufmachen?“ Der Drache stupste Tiklas kräftig in die Rippen. 

Tiklas zuckte zusammen. „Was für ein Fass?“, fragte er und hätte den ungebetenen Gast am liebsten fortgejagt. Ihm taten schon jetzt die Ohren entsetzlich weh. 

„Ein Fass aufmachen, das heißt, miteinander spielen, tanzen, Krach machen und fröhlich sein.“

„Ach, weißt du, ich bin viel zu traurig, um ein Fass aufzumachen“, sagte Tiklas.“Und außerdem hätte ich eigentlich gern meine Ruhe. Ich mag keinen Krach. Mir tun die Ohren weh, wenn es so laut ist.“

„Ach, so einer bist du“, sagte Flipsus und setzte sich neben Tiklas. „Meine Mutter hat mir schon viel von euch stillen Drachen erzählt. Dass ihr gern schöne Musik hört und auch sonst sehr friedlich seid. Friedlich sind wir aber auch und unheimlich nett, das kannst du mir glauben. Auch wenn es bei uns manchmal ein wenig turbulent und laut zugeht.“

Da musste Tiklas aber doch lachen. „Willst du mal eine von meinen Melodien hören, die ich besonders gern mag?“, fragte er.

Flipsus breitete die einladend die Arme aus und brüllte fröhlich: „Na klar! Schmeiß den Player an!“

Zauberhaft zarte Melodien erklangen und Flipsus begann, sich im Rhythmus der Musik hin und her zu wiegen. „Schön“, flüsterte er.

Am nächsten Tag war Flipsus wiedeer da. Diesmal kam er nicht allein. Er hatte seine ganze Familie – Vater, Mutter, drei Schwestern und sieben Brüder – mitgebracht. Dazu noch drei seiner besten Freundinnen und Freunde. Das war ein ohrenbetäubender Lärm, als die wilde Horde Tiklas begrüßte. Er hielt sich die Ohren zu und schaute Flipsus ängstlich an.

„Ruhe!“, schrie Flipsus. Und noch einmal: „Ruhe!“

Da war es plötzlich mucksmäuschenstill. 

„Siehst du, wir können auch leise sein.“ Flipsus zwinkerte Tiklas vergnügt zu und tippte auf den CD-Player.

Tiklas verstand sofort und schaltete die Zaubermusik ein. Alle lauschten hingerissen und wiegten sich lautlos im Takt der Musik.

„Wunderbar! Einfach wunderbar!“, kreischte Flipsus jüngste Schwester, als die Musik aufhörte. Tiklas zuckte zusammen. Aber nur ein ganz klein wenig. Denn er fand die Drachengesellschaft in seiner Höhle sehr nett.

„Tiklas mag es nicht, wenn du so schreist“, sagte Flipsus zu seiner kleinen Schwester. „Wenn wir mit ihm zusammen sind, müssen wir ein bisschen stiller sein.“

Da hielten sich alle den Finger vor den Mund und sagten: „Pssssssst!“ Dabei lächelten sie Tiklas freundlich an. Doch beim Abschied gab es dann noch mal ein fröhliches lautes Halli und Hallo.

Nette Drachen, dachte Tiklas, als sie fort waren, wirklich sehr nette Drachen. Und diesmal war er Weihnachten nicht allein. Er feierte zusammen mit seinen neuen Freunden in ihrer Höhle und es störte ihn plötzlich überhaupt nicht mehr, dass sie auch mal Krach machten und wilde Musik hörten. Wenn es zu laut wurde, hielt er sich einfach die Ohren zu, und wenn sanfte Musik erklang, hörten alle still zu und gaben keinen lauten Mucks von sich. Tiklas hatte Freundinnen und Freunde gefunden und war sehr glücklich.

© Evelyn Sperber-Hummel

Freitag, 16. Dezember 2011

Ronja und der Weihnachtsmann von Eva Markert




Eine Weihnachtserzählung
zum Vorlesen und Selberlesen

1
Besuch in der Nacht
Mitten in der Nacht wachte Ronja auf. Irgendetwas hatte sie geweckt.
Von draußen fiel schwaches Licht ins Zimmer. Die Gardine bauschte sich und ein eiskalter Luftzug wehte zu ihr herüber. Merkwürdig! Mama hatte doch am Abend das Fenster zugemacht!
Ronja rieb sich die Augen und bekam auf einmal einen Riesenschreck. Neben ihrem Bett ragte eine große, dunkle Gestalt auf. Am liebsten hätte sie nach ihren Eltern gerufen, aber sie traute sich nicht.
„Ronja?“, hörte sie eine leise Stimme.
Die dunkle Gestalt kannte ihren Namen!
„Ronja, wach auf!“
„Ich bin wach“, krächzte sie.
„Mach Licht.“
Ronja knipste die Nachttischlampe an. Erst blendete sie das grelle Licht, doch dann riss sie die Augen vor Erstaunen weit auf. Da stand ein Mann mit weißen Haaren und einem weißen Wallebart. Er trug eine rote Mütze und einen roten Mantel mit weißem Pelzbesatz.
„Wer bist du?“, flüsterte sie.
„Erkennst du mich etwa nicht?“
„Du siehst aus wie der Weihnachtsmann. Aber ...“ Ronja zögerte.
„Ja?“
„Den Weihnachtsmann gibt es nicht.“
Der nächtliche Besucher lachte leise. „Bisher habe ich allerdings immer angenommen, dass es mich geben würde.“
„Ich glaube aber nicht mehr an den Weihnachtsmann.“
„Und wieso nicht?“
„Weil Maike mir verraten hat, dass es ihn nicht gibt.“
„Wer ist Maike?“
„Meine Cousine. Die ist schon zehn.“
„Ach so“, erwiderte der Mann. „Na ja. Eigentlich ist es auch völlig schnurz, ob du an mich glaubst oder nicht. Hauptsache, du tust so.“
„Du meinst, ich soll so tun, als ob du wirklich der Weihnachtsmann wärst?“
„Genau. Kannst du das?“
Ronja überlegte. „Okay“, sagte sie schließlich. „Ausgezeichnet!“, rief der Weihnachtsmann erfreut. „Ich brauche nämlich deine Hilfe.“
„Meine?“
„Ja, deine.“
„Wobei?“
„Dumme Frage! Bei den Geschenken, natürlich.“
Ronja war völlig verwirrt. Früher, als sie noch an den Weihnachtsmann glaubte, hatte man ihr von Erwachsenen erzählt, die dem Weihnachtsmann halfen und in seinem Auftrag Geschenke besorgten. Aber von Kindern, die das taten, hatte sie noch nie gehört. „Ich … ich glaube, … ich kann das nicht“, stammelte sie.
„Und warum nicht, wenn ich fragen darf?“
„Weil … Ich hab so was noch nie gemacht.“
„Du hast doch sicher schon mal jemandem was geschenkt, oder?“
„Ja, klar, aber …“
„Na siehst du. Pass auf, ich erkläre dir, was du tun sollst.“ Ächzend zog sich der Weihnachtsmann einen Stuhl heran. „Du ahnst nicht, wie erledigt ich bin! In den letzten Tagen habe ich viel zu wenig Schlaf bekommen.“
„Komisch“, entgegnete Ronja. „Ich stelle mir vor, dass der Weihnachtsmann, wenn es ihn geben würde, nie schläft.“
„Unsinn. Natürlich werde auch ich müde.“ Er seufzte. „Und dann, ausgerechnet in der Weihnachtszeit, wo ich Berge von Arbeit habe und dauernd zwischen dem Südpol und den Häusern der Menschen hin- und herfahren muss ...“
„Moment mal“, unterbrach ihn Ronja. „Wieso Südpol? Ich weiß genau, dass der Weihnachtsmann, wenn es ihn geben würde, am Nordpol wohnt!“
„Verflixt und zugenäht!“ Der Weihnachtsmann schnaubte durch die Nase. „Wer hat bloß diesen Hirselquatsch aufgebracht? Seit Jahr und Tag und Ewigkeit wohne ich am Südpol. Geht das denn nicht in eure Köpfe rein?“ Aufgebracht schaute er sie an.
„Mir ist es eigentlich egal, ob du am Nord- oder Südpol wohnst“, sagte Ronja. „Für mich macht das keinen großen Unterschied.“
„Für mich schon. Aber mir ist es egal, dass es dir egal ist, ob ich am Nord- oder Südpol wohne. Hauptsache, du hilfst mir.“ Er holte tief Luft. „Ausgerechnet in der Weihnachtszeit“, wiederholte er, „muss mir so was passieren!“ Dabei schüttelte er den Kopf, als könnte er es nicht fassen.
Ronja wartete gespannt, dass er weiterredete.
„Mein Lastwagen“, fuhr der Weihnachtsmann fort, „der, mit dem ich die Geschenke vom Südpol zu den Leuten transportiere, ist kaputt. Neulich, auf dem Weg zurück zum Südpol, blieb die Karre plötzlich am Straßenrand in einer Schneewehe stecken und sagte keinen Pieps mehr. Ich hab den Pannendienst gerufen und die haben ihn abgeschleppt.“
„Oh je“, sagte Ronja mitfühlend. „Und wo ist der Wagen jetzt?“
„Auf dem Schrottplatz.“ Tieftraurig starrte der Weihnachtsmann vor sich hin.
Ronja wurde unruhig. „Und nun?“, fragte sie. „Ich meine, wie kriegst du die Geschenke vom Nord…, ich meine, vom Südpol zu den Leuten?“
„Genau da liegt das Problem.“
(...)

Leseprobe aus Ronja und der Weihnachtsmann, erhältlich bei amazon

Weihnachtshektik von Annette Paul



Jakob freut sich auf Weihnachten, auf die Kekse und den Weihnachtsbaum, auf den Weihnachtsduft im Haus und natürlich am meisten auf seine Geschenke. Ob er wohl dieses Jahr die Eisenbahn bekommt? Er kann es kaum noch erwarten.
Jakob hilft Mama beim Keksbacken. Einen ganzen Nachmittag kneten sie Teig, stechen Kekse aus, schieben sie in den Backofen und anschließend verziert Jakob sie.
„Wie gut, dass du mir hilfst. Alleine würde ich es nie schaffen“, sagt Mama. Und Jakob ist ganz stolz darauf, so eine tüchtige Hilfe zu sein.
Am Abend sind alle Keksdosen voll.
In den nächsten Tagen basteln sie. Zuerst malt Jakob mit Fingerfarben auf das Fenster in der Essecke den Stall von Bethlehem und Maria und Josef. Dann malt er die Hirten mit ihren Schafen auf das Küchenfenster. Vor allem die Schafe sehen gut aus.
Später basteln sie Christbaumschmuck und Geschenke für Papa und Oma und Opa.
Dann hat Mama keine Zeit mehr für Jakob.
„Jakob, ich muss noch einiges bis Weihnachten erledigen. Ich muss noch einkaufen und saubermachen. Beschäftige dich selber“, sagt Mama.
Was soll Jakob machen? Er hat alle Geschenke gebastelt, sein Zimmer aufgeräumt und jetzt wartet er auf Weihnachten.
„Mal ein Bild“, sagt Mama.
„Habe ich schon“, antwortet Jakob.
„Auch für Frau Dreier?“, fragt Mama.
Frau Dreier ist Jakobs Erzieherin. Jakob mag sie. Sie ist immer fröhlich und lacht viel. Also malt Jakob ihr ein Bild. Danach langweilt er sich wieder. Zum Glück kommt Verena. Und sie spielen den ganzen Nachmittag zusammen.
Am anderen Morgen holt Verenas Mama Jakob ab. Mama und Verenas Mama bringen Jakob und Verena abwechselnd in den Kindergarten.
„Los, Verena wartet schon, beeil dich“, drängelt Mama. Sie zieht Jakob die Jacke an, stopft seine Füße in die Stiefel und bindet die Schnürsenkel. Sonst macht Jakob es alleine. Er ist doch schon groß und kann sich selbst anziehen. Aber Mama ist heute ungeduldig.
„Mama, wir haben Bratäpfel gegessen“, sagt Jakob, als er wieder daheim ist. Mama steht in der Küche und kocht. Dabei läuft sie ständig hin und her und räumt den Geschirrspüler leer.
„Mama, können wir auch mal Bratäpfel machen?“, fragt Jakob.
Mama antwortet nicht. Sie hört gar nicht richtig zu.
„Mama“, ruft Jakob laut.
„Jetzt nicht“, sagt Mama.
Jakob läuft beleidigt in sein Zimmer. Dort wirft er die Tür zu. Sonst hört Mama ihm immer zu. Aber heute ....
So geht es auch die nächsten Tage. Mama hat keine Zeit für Jakob.
Am Heiligen Abend ist es besonders schlimm. Mama tobt und hetzt und treibt Jakob zur Eile an. Später sitzt Jakob in seinem Zimmer und langweilt sich. In das Wohnzimmer darf er nicht mehr. Mama und Papa streiten sich. Jakob hört es ganz deutlich. Er ist traurig. Jakob setzt sich mit seinem Teddy auf das Bett.
Da öffnet sich die Tür, und Papa kommt herein. Er trägt den Fernseher und stellt ihn auf Jakobs Tisch.
„Damit du dich nicht so langweilst“, sagt er und grinst. „Ich habe mich früher auch immer vor der Bescherung gelangweilt und konnte es vor Aufregung gar nicht mehr aushalten.“
Dann stellt er den Fernseher an.
Jetzt langweilt sich Jakob nicht mehr. Trotzdem schaut er immer auf, wenn er im Flur Geräusche hört.
Endlich ist es soweit. Mama kommt in sein Zimmer und legt seine guten Sachen heraus.
„Zieh dich bitte um und beeile dich, sonst müssen wir ganz hinten sitzen“, sagt sie und läuft wieder hinaus. Mama trägt noch ihre Jeans. Sie muss sich auch umziehen. Zum Schluss kämmt Mama Jakob noch. Endlich sind sie fertig. Hand in Hand laufen sie zur Kirche. Jakob geht zwischen Mama und Papa. Jetzt können Mama und Papa auch wieder lachen. Als sie in der Kirche ganz vorne sitzen, schmiegt sich Jakob an Mama. Sie riecht ganz toll. Gespannt beobachtet Jakob das Krippenspiel. Er ist froh. Jetzt ist wirklich Weihnachten.

Veröffentlicht in "Wünsch dich ins Wunder-Weihnachtsland, Band 3" Papierfresserchens MTM-Verlag

Annette Paul schreibt und veröffentlicht seit vielen Jahren Kurzgeschichten und Kindertexte, gern etwas zum Schmunzeln. Von ihr sind folgende Weihnachtsbücher: "Der ganz normale Weihnachtswahnsinn", "Ratte Prinz im Weihnachtsbaum", "Weihnachtsmann im Weihnachtsstress" und "Weihnachtsmann hat noch mehr Stress".

Montag, 12. Dezember 2011

Jonas und der Weihnachtsteufel von Eva Markert



Eine Weihnachtserzählung
zum Vorlesen und Selberlesen

1
Was Rotes
In diesem Jahr hatte es der Weihnachtsteufel auf die Bruchseifers abgesehen. Und das kam so: Nicht nur Jonas Bruchseifer, die ganze Familie fand, dass es kein schöneres Fest gab als Weihnachten.
Das ärgerte den Weihnachtsteufel maßlos. Menschen, die gern Weihnachten feierten, konnte er auf den Tod nicht leiden!
Auch die Adventszeit war bei den Bruchseifers immer besonders gemütlich. Das ganze Haus hatten sie geschmückt und überall Vasen mit Tannenzweigen hingestellt. Jeden Abend saßen sie zusammen und zündeten Kerzen an.
So was konnte der Weihnachtsteufel nicht ausstehen!
In Jonas‘ Zimmer sah es ebenfalls sehr weihnachtlich aus. Auf seinem Nachttisch, an die Lampe gelehnt, saß mit baumelnden Beinen ein großer, weicher Stoffweihnachtsmann. An der Wand am Fußende des Bettes hing der Adventskalender. Darauf war ein Schlitten zu sehen, der von Rentieren gezogen wurde und hoch bepackt mit Geschenken war. Auf das Fenster hatte Jonas‘ Mutter ein wunderschönes Fensterbild geklebt: ein verschneiter Wald mit Hasen und Rehen.
Abscheulich fand der Weihnachtsteufel das! Er beschloss, den Bruchseifers einen gewaltigen Strich durch die Rechnung zu machen.
Fünf Tage vor Weihnachten, als die Familie gerade beim Abendessen saß, kletterte er ganz leise die Kellertreppe hinauf. Das war gar nicht so einfach, denn er war nur so groß wie eine Hand. Durch die halb geöffnete Tür schlüpfte er ins Esszimmer und huschte unter den Geschirrschrank.
„Ich glaube, da ist gerade was Rotes unter den Schrank geflitzt“, rief Jonas.
Hansi, der Kanarienvogel, hatte wohl auch etwas bemerkt, denn er hüpfte aufgeregt tschilpend im Käfig hin und her.
Die Eltern lachten. „Was Rotes, sagst du? Eine Tomate vielleicht? Oder war es ein Feuerwehrauto?“
„Ihr glaubt mir nicht.“
Sein Vater grinste und seine Mutter wuschelte ihm durchs Haar.
Trotzdem stand Jonas auf und schaute unter dem Geschirrschrank nach.
Doch der Weihnachtsteufel hatte sich dünn gemacht und zwischen den Schrank und die Wand gequetscht. Nur seine Schwanzspitze, sein Fuß und sein Pferdehuf kamen unter der Rückwand hervor, aber das konnte Jonas in der Dunkelheit nicht sehen. „Komisch“, sagte er, „hier ist nichts.“
„Du bist sicher müde“, meinte seine Mutter. „Am besten legst du dich gleich schlafen. Die nächsten Tage werden lang.“
„Ooch, Mama …“
„Jeder, der was Rotes unter einem Geschirrschrank verschwinden sieht, sollte möglichst schnell ins Bett gehen“, mischte sich sein Vater ein.
„Nur noch eine halbe Stunde“, bettelte Jonas, aber seine Eltern ließen sich nicht erweichen. Wütend lief er aus dem Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu.
Der Weihnachtsteufel wackelte mit seinen Hörnern, zwischen denen schwarze, borstige Haare wuchsen. Er wackelte immer mit den Hörnern, wenn er sich diebisch freute. Das fing ja gut an, fand er. Aber es würde noch viel, viel besser kommen. Er hatte sich eine Menge vorgenommen ...
2
Scherben und Fetzen
Als es im Haus dunkel und still geworden war, machte sich der Weihnachtsteufel an die Arbeit.
Auf dem Wohnzimmertisch standen drei Porzellanengel, die in jeder Hand eine Kerze hielten. Sie hatten gelbe Haare und gelbe Flügel und ihre Gewänder waren mit blauen Sternen bemalt.
Diese Engel fand der Weihnachtsteufel scheußlich. Er kletterte am Tischbein hoch, schwang sich auf die Tischplatte und ließ sie nacheinander auf den Boden fallen. Ein Porzellanengel brach in der Mitte durch, ein anderer verlor beide Flügel und dem dritten splitterte ein Stück seines Gewandes ab.
Der Weihnachtsteufel quietschte vor Vergnügen und klopfte mit dem Schwanz auf den Boden.
Er blickte sich um. Was könnte er als Nächstes tun?
Überall hingen selbstgebastelte Strohsterne und Sterne aus goldenem Stanniolpapier. Grauenvoll! Der Weihnachtsteufel packte sie, knickte Zacken um, zerfetzte Stroh, zerriss Stanniolpapier und verstreute die Schnipsel im ganzen Raum. Einen Heidenspaß machte das!
Danach versteckte er sich unter dem Sofa und wartete, dass es Morgen wurde.

Leseprobe aus "Jonas und der Weihnachtsteufel", erhältlich bei amazon