Mittwoch, 6. Dezember 2017

Erinnerung an den Nikolaus von Britta Kummer





An die Adventszeit als Kind erinnere ich mich immer wieder gerne zurück. Und besonders an den 6. Dezember, den Nikolaustag. Am Abend zuvor habe ich immer meine Schuhe vor die Tür gestellt und gehofft, dass sie am nächsten Morgen mit vielen leckeren Sachen gefüllt waren. Natürlich versuchte ich, lange wach zu bleiben, auch wenn meine Eltern mir das verboten haben. Ich wollte doch einfach nur sehen, wie die Leckereien verteilt werden. Aber gelungen ist mir das nie. Irgendwie bin ich stets vorher eingeschlafen. Und dabei wollte ich den Nikolaus doch so gerne kennenlernen. Doch in der 1. Klasse hatte ich dann das Vergnügen.
Wir saßen alle im Klassenzimmer. Draußen schneite es bereits, und als wir aus dem Fenster schauten, konnten wir erkennen, dass ein Mann mit weißem, langen Bart und rotem Mantel aus dem Wald kam. Über seiner Schulter trug er einen großen Sack. Er kam immer näher und wir schauten uns alle verwundert an. Dann konnten wir ihn nicht mehr sehen und auf einmal klopfte es an der Tür. Die Lehrerin sagte freundlich: „Herein“ und dieser Mann, den wir aus dem Wald haben kommen sehen, betrat das Klassenzimmer.
Mit tiefer Stimme sagte er: „Hallo liebe Kinder, ich bin es, der Nikolaus. Freut ihr euch?“ Aber wir waren alle zu überrascht über diesen Besuch, dass wir ihn nur mit großen Augen ansahen und keinen Ton von uns gaben. Er sagte noch einmal: „Hallo liebe Kinder“ und diesmal brachten einige von uns ein leises: „Hallo Niko-laus“ heraus. Obwohl er freundlich aussah, hatten wir alle ein bisschen Angst vor ihm.
Er holte ein dickes Buch aus seinem Sack und schlug es auf. „Wollen wir mal sehen, was mir das Buch verrät. Wer von euch dieses Jahr lieb oder böse war.“ Er rief jeden Namen auf und erzähl-te, was in diesem Buch über die entsprechende Person stand. Einige Kinder wurden gelobt, andere ermahnt. Ich gehörte zu den Kindern, die gelobt wurden und das freute mich sehr. Natürlich hatte ich auch schon einmal etwas angestellt, aber das war nie so schlimm, dass es aufgeschrieben werden musste.
Nach dem gemeinsamen Singen bekamen wir alle vom Nikolaus eine Tüte mit Süßigkeiten. Wir wunderten uns sehr, dass er Jakob vergessen hatte und noch bevor jemand etwas sagen konnte, erhob er ernst seine Stimme und sagte: „Nun habe ich hier noch einen besonderen Fall, den Jakob.“ Der Junge schaute ihn schüchtern an.
„Über dich steht hier so viel Schlechtes in meinem Buch, dass ich das alles gar nicht vorlesen möchte. Deshalb bekommst du von mir als Bestrafung für deine schlechten Taten eine Rute und keine Süßigkeiten. Das ist eben so, böse Kinder bekommen nichts Schönes.“
Der Nikolaus reichte sie ihm. „Mein Junge, lass dir gesagt sein, wenn du dich nicht besserst, werde ich es dem Weihnachtsmann sagen und dann bekommst du auch keine Geschenke zu Weihnach-ten. Willst du das? Versuche doch mal nett zu den Mädchen zu sein. Du musst sie doch nicht immer ärgern und ihnen ihr Pausenbrot klauen. Genauso schön wäre es, wenn du deiner Mutter mal zu Hause etwas helfen würdest. Sie tut doch auch alles für dich. Das kann doch nicht so schwer sein, oder? Du kannst mir glauben, ich werde dich bis Weihnachten beobachten, ganz genau beobachten und sollte ich nicht merken, dass du zumindest versuchst, dich zu bessern, bekommst du vom Weihnachtsmann keine Geschenke. Dafür sorge ich.“
Ich schaute Jakob an und konnte anhand seines Blickes sehen, dass er sich Gedanken über die Worte des Nikolaus machte. Dann verließ dieser unser Klassenzimmer. Ich stellte fest, dass Jakob sehr traurig darüber war, dass er der Einzige war, der eine Rute bekommen hatte. Er tat mir leid und ich gab ihm etwas von meinen Süßigkeiten ab.
„Glaubst du, das stimmt, dass ich keine Geschenke vom Weihnachtsmann bekomme?“, fragte er mich.
„Natürlich stimmt das. Versuch doch einfach, dich zu bessern“, sagte ich einfühlsam. „Ich helfe dir auch gerne dabei und gebe dir Ratschläge.“ Irgendwie tat er mir immer mehr leid, als ich ihn da mit seiner Rute in der Hand so traurig auf seinem Stuhl sitzen sah. Obwohl ich keinen Grund gehabt hätte, ihm zu helfen. Denn ich war auch eines der Mädchen, das ständig von ihm geärgert wurde. Und ob ihr es glaubt oder nicht, die Worte des Nikolaus hatten ihre Wirkung. Jakob änderte sich, er klaute keine Pausenbrote mehr und war hilfsbereit und freundlich. Und als er mir dann nach Weihnachten glücklich erzählte, dass der Weihnachtsmann ihm doch Geschenke gebracht hatte, freute mich das sehr. Seitdem sind Jakob und ich die besten Freunde.
© Britta Kummer

Buchbeschreibung Weihnachtsgeschichten … und noch mehr:
Für viele Menschen ist die Weihnachtszeit die schönste Zeit des Jahres!
Überall leuchten die Weihnachtssterne, es riecht nach Früchten, Gewürzen, Zimt und Anis. Aber auch überfüllte Geschäfte und Eile bestimmen oft den Alltag, denn jeder möchte noch passende Geschenke für Familie oder Freunde finden.
Trotz allem bleibt aber immer noch Zeit, gemütliche und ruhige Abende zu verbringen. Und was gibt es da Schöneres, als einen hektischen Tag mit wunderbaren Weihnachtsgeschichten und Leckereien ausklingen zu lassen?
Also gönnen Sie sich mit den Erzählungen „Weihnachtsgeschichten … und noch mehr“ einfach mal ein paar ruhige und entspannte Stunden und genießen dabei die leckeren Versuchungen aus diesem Buch.
„Frohe Weihnachten“ und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Taschenbuch: 60 Seiten
ISBN-10: 3738645535
ISBN-13: 978-3738645538
Format: Kindle Edition
ASIN: B015YCWZQA

Trailer:
https://www.youtube.com/watch?v=-_2Tf8IWDcg

Britta Kummer ist Autorin. Sie schreibt Kinder-, Jugend- und Kochbücher, wurde in Hagen geboren und wohnt heute in Ennepetal. Inzwischen ist auch ein Buch zum Thema MS auf dem Markt.
Ihr Buch „Willkommen zu Hause, Amy" wurde im Januar 2016 mit dem Daisy Book Award ausgezeichnet. Der Kärntner Lesekreis „Lesefuchs“ vergibt in unregelmäßigen Abständen diese Auszeichnung für gute Kinder- und Jugendliteratur.
http://brittasbuecher.jimdo.com/
http://kindereck.jimdo.com/
http://pressemeldungen.jimdo.com/
https://www.instagram.com/brittasbuchtipps/

Dienstag, 5. Dezember 2017

Die kleine Hexe Minnifee rettet Weihnachten von R.D.V. Heldt







LESEPROBE

  



Eine kleine Hexe wird geboren

Es war der zwölfte Tag des zwölften Monats, als im Haus des Holzfällers ein Kind geboren wurde. Dies wäre nichts Ungewöhnliches, wenn die Mutter des Kindes keine Hexe wäre.
So aber war es eine kleine Hexe, die das Licht der Welt erblickte.

Nur zwölf Tage später war Weihnachten. Von diesem, seinem ersten Fest bekam das Kind noch gar nichts mit, denn dazu war es viel zu klein. Trotzdem war es aber das Weihnachtsfest, welches die Zukunft der kleinen Hexe entscheidend beeinflusste.
Zunächst begrüßte der Weihnachtsmann die neue kleine Erdenbürgerin und hieß sie herzlich willkommen. Als er wieder verschwunden war, wurde sie von zwei Feen besucht.
Es waren die Fee des Lichtes und die Waldfee.
Zunächst beugte sich die Fee des Lichtes über das kleine Wesen, stellte eine Glaskugel neben ihm ab und schaute es verträumt an. Just in diesem Moment entwich ein sehr feiner Silberstrahl ihren Augen und traf genau die Lider des Kindes. Dabei sprach die Fee:
„Du wirst sehen, was anderen verborgen bleibt.“
Die Fee des Lichtes trat zurück und überließ der Waldfee den Säugling.
Diese beugte sich ebenfalls hinunter zur kleinen Hexe, legte einen Zauberstab neben ihr ab, nahm das Köpfchen in die Hände, öffnete ihren Mund und blies ganz sanft einen zarten Nebel, zunächst auf die Lippen und dann auf das linke und rechte Ohr der Kleinen. Dann sprach sie:
„Du wirst hören und sprechen, wie es ein Mensch nicht vermag.“
Durch dieses Ritual gaben sie der kleinen Hexe Fähigkeiten, die ihr, richtig angewandt, eine besondere Macht verliehen.
Es war aber nicht der einzige Grund des Besuches, denn an diesem Tag sollte auch der Name des Kindes bestimmt werden und die Eltern baten die Feen, dabei behilflich zu sein.
Nach kurzer Zeit einigten sie sich auf den Namen Minni. Da jedoch die Feen Minnis Leben ab diesem Tag mitgestalteten, sollte der Name auch stets an sie erinnern. Minni allein reichte dafür nicht aus und darum wurde er ergänzt. Ab sofort hieß die kleine Hexe Minnifee.

  
Die Gaben, von den Feen gegeben,
gehören ab sofort zu Minnifees Leben.

Die Zeit verging und Minnifee feierte ihren dritten Geburtstag. In diesem Alter begriff sie schon die Bedeutung von Weihnachten und freute sich riesig darauf. Wohl aber auch, weil ihre Mutter, obwohl sie eine Hexe war und köstliches Gebäck einfach herzaubern konnte, die Kekse auf herkömmliche Weise zu backen pflegte. So zog dann immer ein herrlicher Duft durchs ganze Haus.
Ein weiterer Grund, warum es für die kleine Hexe die schönste Zeit des Jahres war lag darin, dass der Weihnachtsmann kam. Minnifee liebte diesen alten, warmherzigen, guten Gesellen, mit seinem weißen Rauschebart, wartete ungeduldig auf seinen Besuch und bereitete ihm einen herzlichen Empfang. Der Weihnachtsmann und sie wurden die besten Freunde.

Minnifee bekommt ihren Hexenbesen

Zum fünften Geburtstag wartete eine ganz besondere Überraschung auf Minnifee. Als sie am Morgen von ihren Eltern geweckt wurde und diese ihr zum Geburtstag gratulierten, hielt die Mutter einen Besen in der Hand, um den eine große rote Schleife gebunden war. Es war Minnifees erster Flugbesen, den sie sich schon so lange gewünscht hatte. Mit ihrer Mutter war sie ja schon öfter mitgeflogen, um das Gefühl dafür zu bekommen, aber wenn sie fragte, ob sie nicht einen eigenen Besen bekommen könnte, wurde immer gesagt:
„Dafür bist du noch zu klein. Warte die Zeit ab.“
Nun war die Zeit gekommen und mit einem großen Satz sprang Minnifee freudig aus ihrem Bettchen. Sogleich setzte sie sich auf den Besen und machte im Zimmer ein paar holprige Startversuche.
„Na, da müssen wir wohl noch ein wenig üben“, lachte ihre Mutter, nahm den Besen zunächst wieder an sich und alle gingen in die Küche, wo ein üppig gedeckter Frühstückstisch auf sie wartete.

Von diesem Tag an ließ Minnifee ihrer Mutter keine Ruhe und bettelte immer so lange, dass sie doch das Fliegen mit ihr üben sollte, bis diese genervt nachgab.
 


Die kleine Hexe nervt so sehr,
bis Mutter gibt den Besen her.

Minnifee hatte großen Ehrgeiz und nach ein paar Tagen und vielen Übungsstunden klappte es schon ganz gut. Nur in der Höhe schwankte sie noch ein bisschen und lenkte etwas unsicher, was aber bestimmt besser wurde, wenn sie fleißig weiter übte.

Neben dem Fliegen machte die Mutter sie aber auch mit der Bedeutung der Glaskugel und des Zauberstabes vertraut, der Gegenstände, die sie von den Feen bekommen hatte. Legte sie ihre Händchen an die Kugel, begann diese zu leuchten und war für einen Zauber bereit. Wenn sie die Kugel leicht mit dem Zauberstab berührte, erklang ein lieblicher Ton.
Doch es geschah noch etwas anderes, denn als Minnifee zum ersten Mal den Zauberstab benutzt hatte, verstand sie plötzlich das Miauen der Katze, die der Mutter gehörte.
„Ich habe Durst auf Milch. Kann ich bitte welche bekommen?“ bettelte die Katze.
Minnifee drehte sich zu ihr herum und sprach sie an:
„Du hast Durst und möchtest Milch?“
Die Katze hatte sie verstanden, denn sie kam nun zu Minnifee, schmiegte sich schnurrend an ihr Bein und nickte mit dem Kopf.
Minnifee wusste nicht was sie davon halten sollte und erzählte es ihrer Mutter. Diese klärte sie darüber auf und sagte, dass dies eine Gabe war, die sie von der Waldfee erhalten hatte. Zaubergaben traten jedoch erst in Kraft, wenn man die dazugehörigen Gegenstände benutzte, wie die Glaskugel und den Zauberstab.
„Du hast mit dem Zauberstab die Glaskugel berührt und kannst nun Stimmen hören und Sprachen sprechen, was kein anderer vermag. Darum verstehst du die Tiere und kannst mit ihnen reden.
Auch die Glaskugel, die du von der Fee des Lichtes bekommen hast, hat ihre Magie. Damit kannst du deine Gedanken real werden lassen. Denkst du ganz stark an etwas und schaust dabei in die Kugel, erscheint es in ihr und klopfst du dann leicht mit dem Stab dagegen und sagst einen Zauberspruch, kommen die Dinge aus der Kugel heraus. Ebenso kannst du aber auch an einen Ort gelangen, der durch deine Gedanken in der Kugel gezeigt wird.“
Mutter Hexe bemerkte, dass dies zuviel auf einmal für ihre fünfjährige Tochter war, da diese sie inzwischen ungläubig, mit großen Augen ansah. Darum sagte sie weiter:
„Keine Angst, Minnifee, für diese Dinge haben wir noch Zeit. Nach und nach wirst du alles lernen. Im Augenblick lernen wir erst einmal richtig zu fliegen, alles andere kommt später.“
Sogleich hellte sich Minnifees Miene auf, sie schnappte sich ihren Besen, ging vor die Tür und übte fleißig weiter.
Aber auch etwas anderes wollte sie ausprobieren. Darum ging sie in den nahen Wald, zu einigen Tieren und testete ihre Gabe, mit ihnen zu sprechen.

          
Mit Tieren zu sprechen ist ein Gewinn,
ich bin froh, dass ich eine Hexe bin.

Der Weihnachtstag war da und Minnifee wollte nicht warten bis der Weihnachtsmann durch ihren Kamin kam, sondern dieses Mal wollte sie ihn schon sehen, wenn er mit dem Rentierschlitten angerauscht kam. Darum ging sie hinter das Haus in den Garten und schaute hinauf in den Himmel. Tatsächlich erblickte sie ihn im Mondlicht, aber er war noch so weit entfernt. Bestimmt besuchte er zunächst noch andere Kinder. Da kam Minnifee eine Idee. Sie wollte ihm entgegenfliegen. Flugs schnappte sie sich ihren Besen und stieg auf in die Lüfte.
Dies hätte sie lieber bleiben lassen sollen, denn als sie über dem Wald eine Kurve fliegen wollte, blieb sie an einem Tannenast hängen, trudelte und stürzte ab.
Sie landete aber nicht auf dem Waldboden, sondern fiel in eine tiefe Grube. Als sie von dort hinaufblickte, sah sie ihren Besen am Grubenrand liegen, sodass sie ihn nicht erreichen konnte. Die Wände der Grube waren glatt und boten keine Gelegenheit hinauszuklettern. Mit dem Besen hätte sie rausfliegen können, aber so war sie in der Grube gefangen.
Mit einem Mal hörte sie ein leises Wimmern neben sich und als sie genau hinschaute, sah sie ein Kätzchen, das sich ganz an die Grubenwand gekauert hatte.
„Wer bist du?“ hörte sie das Kätzchen fragen.
„Ich heiße Minnifee und wer bist du?“ antwortete sie.
Darauf erzählte das Kätzchen, dass es schon vor drei Tagen in der Grube gelandet war und nicht mehr raus kam. Ihre Mutter und Geschwister konnten auch nicht helfen, mussten aber weiterziehen, weil es im Wald zu gefährlich für sie wurde. Es war jetzt also ganz allein.
Da beschloss Minnifee, das Kätzchen zu behalten, sobald sie die Grube verlassen konnten. Ihre Eltern hatten gewiss nichts dagegen. Sie hatte auch schon einen Einfall, wie es gelingen könnte.
Über dem Wald hatte sie schon öfter Adler kreisen gesehen und ein Adler hatte bestimmt die Kraft, sie aus der Grube hinauszufliegen. Laut begann sie um Hilfe zu rufen, und zwar so, dass ein Adler sie verstehen konnte.
Zunächst waren ihre Rufe vergeblich, aber Minnifee gab nicht auf und ihre Ausdauer wurde belohnt. Am Grubenrand erschien plötzlich ein großer, prächtiger Adler. Er schaute auf Minnifee und das Kätzchen hinab, drehte seinen mächtigen Kopf hin und her, bevor er sie ansprach:
„Du hast um Hilfe gerufen? Was kann ich tun?“
„Helfe uns bitte aus der Grube heraus, alleine schaffen wir es nicht“, rief Minnifee ganz aufgeregt.
Sogleich schoss der Adler auf sie zu. Minnifee konnte gerade noch das Kätzchen auf den Arm nehmen, als der Adler sie auch schon mit seinen kräftigen Krallen an den Schultern packte und nach oben flog. Sicher setzte er die Zwei am Grubenrand ab.


Fällst du in die Grube rein,
muss dein Freund ein Adler sein.
  
„Danke“, sagte Minnifee „das werde ich dir nie vergessen.“
„Schon gut“, antwortete der Adler „pass beim nächsten Mal nur besser auf, wo du landest.“
Schon breitete er seine riesigen Schwingen aus und stieg auf in den Himmel.

Minnifee wusste nicht wieviel Zeit vergangen war und wollte nur schnell nach Hause. Darum nahm sie ihren Besen, setzte das Kätzchen neben sich und flog schnell heim.
Zunächst wollte sie erzählen was passiert war, aber als sie bemerkte, dass weder Mutter noch Vater ihr Verschwinden aufgefallen war, behielt sie dieses Erlebnis für sich. Nur, wie sie zu dem Kätzchen kam musste sie erklären und die Erlaubnis bekommen, es zu behalten.
Flehend sprach sie zu ihren Eltern:
„Das arme Kätzchen saß ganz allein draußen herum. Es hat bestimmt kein zu Hause. Ich möchte schon so lange eine eigene Katze haben. Darf ich sie behalten? Bitte, bitte.“
Da sich inzwischen auch Mutters Katze liebevoll um den Neuzugang kümmerte und gar nicht mehr aufhörte es abzuschlecken, gab es für die Eltern keinen Grund, diesem Wunsch zu widersprechen. Außerdem war Weihnachten und sie sahen es als zusätzliches Geschenk für Minnifee. Die restlichen Geschenke brachte der Weihnachtsmann, der kurze Zeit später durch den Kamin ins Zimmer gerauscht kam.
Es wurde wieder ein sehr schönes Fest und Minnifee fasste den Vorsatz, keine Ausflüge mehr mit dem Besen zu machen, bevor sie nicht ganz sicher damit umgehen konnte.



Klappentext
„Die kleine Hexe Minnifee rettet Weihnachten“
Ein Vorlesebuch für die Kleinen, welches von Herzen kommt.
Wie traurig wären die Kinder, wenn es kein Weihnachtsfest mehr gäbe?
Das verhindert Minnifee, die kleine Hexe.
Mit Magie, die sie von den Feen gelernt hat, hilft sie dem Weihnachtsmann, dass am Ende alles gut wird.
Sie wünscht sich nichts sehnlicher,
als dass ihr Zauber zu euch durchdringt.
Amazon Minnifee E-Book https://goo.gl/pu5TQN
Printausgabe goo.gl/rbhwY5


VITA
R.D.V. Heldt (JO Heldt)
ist in Niedersachsen geboren.
Ihre Liebe zur Schriftstellerei entdeckte sie bereits in jungen Jahren, indem sie kleine
Gedichte und Geschichten schrieb.
Sie machte eine Ausbildung zur Bürokauffrau und arbeitete als Personalsachbearbeiterin und Mitarbeiterbetreuerin.
Da sie ihre Freude am geschriebenen Wort nie verloren hat, ist sie weiterhin
bestrebt, gute und einfühlsame Literatur zu schreiben und ist schon jetzt gespannt, welche neuen Ideen sich entwickeln werden, die sie mit Freude zu Papier bringen kann.
Sie hat sich auf kein bestimmtes Genre festgelegt.
Nicht etwa aus Unentschlossenheit oder Nichtwissen, sondern um durch ihre Bücher eine umfangreiche Leserschaft anzusprechen. Warum soll man sich nur auf Erwachsenenbücher versteifen, wenn Ideen für Kinderbücher da sind und umgekehrt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Warum sollte man nur in der Kategorie Belletristik schreiben, wenn man auch am Kochen und Backen Interesse hat.
Diese Überlegungen führten dazu, dass sie heute in verschiedenen Genre zu finden ist, um dadurch den unterschiedlichen Lesergruppen eine Freude mit ihren Büchern machen zu können.
Alle E-Books sind in sämtlichen großen Buchshops zu beziehen
Printausgaben nur bei Amazon
R.D.V. Heldt bei Blogspot
http://ritahansi.blogspot.de/




Montag, 4. Dezember 2017

Die Eisfee von Christine Erdic

Bild von Christine Erdic



(eine Geschichte aus dem Buch „Nepomucks Märchen)
Es war einmal ein kleiner Koboldjunge namens Nepomuck, der gern durch die Wälder sprang.
So auch an jenem heißen Tag im Sommer. Vergnügt sang er dabei vor sich hin und pflückte hier und dort eine wohlschmeckende Beere von einem Strauch. Plötzlich schaute er überrascht auf seine Hand. War das etwa eine Schneeflocke, die darauf schmolz? Er sah zum Himmel empor - und wirklich: Vor ihm tanzten weiße  Flocken in wildem Reigen.
„Oh weh, oh weh! Im Sommer Schnee!“, erklang ein feines Stimmchen neben ihm. Nepomuck schaute verwundert zu Boden und entdeckte ein kleines Wesen mit spitzen Ohren, das auf einem Fliegenpilz saß und sich seine grün schimmernden Flügel putzte.
Elfen ließen sich meist nur auf Festen oder Versammlungen der Waldwesen blicken, da sie stets mit der Pflege der Tiere und Pflanzen des Waldes beschäftigt waren.
„Was ist denn geschehen?“ wollte der neugierige Kobold wissen.
„Ach, die Eisfee Griseldis ist wütend, weil ihr einziger Sohn fortgezogen ist. Sieh doch: Es schneit immer schlimmer - und das mitten im Sommer! Mir ist schon ganz kalt!“
Ja wirklich, es wurde richtig frostig auf einmal, und die Blumen am Wegrand ließen traurig ihre Köpfe hängen.
„Wo wohnt denn die Eisfee?“
Die Elfe wies nach Norden. „Es ist ein wenig weit. Willst du dort hin? Dann werde ich dich ein Stück des Wegs begleiten. Aber was kannst du schon tun?“
„Ich weiß es nicht, vielleicht fällt mir etwas ein“, entgegnete Nepomuck.
Nach geraumer Zeit ragte ein fast durchsichtiges Schloss auf einem Berg vor ihnen auf. Inzwischen war es richtig eisig geworden, und die Elfe, die neben dem Kobold dahinschwebte, zitterte in ihrem dünnen Gewand.
„Dort oben wohnt sie! Ihr Schloss ist aus Eis gebaut. Ich werde jetzt zurückfliegen. Viel Glück, kleiner Waldschrat!“
Nepomuck war allein und hatte einen schweren Aufstieg vor sich. Der Berg war mit Schnee überzogen, und es wehte ein Wind, dass ihm fast die Ohren abfroren. Wenn er drei Schritte gemacht hatte, rutschte er zwei wieder zurück.
Plötzlich tauchte ein großes geflügeltes Wesen, das von einem blauen Licht umgeben war, direkt vor ihm auf.
„Halt! Was suchst du Waldschrat auf meinem Berg?“
Nepomuck erschrak, während er die harten Züge in dem eigentlich schönen Gesicht der Eisfee betrachtete. Kalt musterten ihn ihre eisblauen Augen.
„Entschuldige, liebe Griseldis, ich wollte dich besuchen“, stammelte er unsicher.
„Nepomuck!“ Glockenhell und doch frostig erklang ihr Lachen.
„So komm mit mir und sei mein Gast.“ Die Fee nahm den Kobold bei der Hand und flog mit ihm vor das Schloss. Hinter einem Tor aus Eis verbarg sich ihr Palast aus kalter Pracht.
Doch wenigstens merkte man hier nichts von dem schneidenden Wind dort draußen. In der Halle bewunderte Nepomuck eine erstarrte Fontäne und einen gefrorenen Wasserfall.
„Hast du zufällig ein paar Kekse da?“ Der Magen des kleinen Kobolds knurrte schon vernehmlich.
Griseldis schaute ihrem Gast dabei zu, wie er genüsslich einen ganzen Kuchen verdrückte, den sie herbeigezaubert hatte, und dabei schlürfend seinen Becher mit dampfendem Kakao leerte.
„Zeigst du mir jetzt dein Schloss“, fragte Nepomuck neugierig.
Hier war alles aus Eis, sogar die Bank, auf der das Schleckermäulchen eben noch gesessen hatte.
Durchsichtige Wände schimmerten kristallklar und hinter einer von ihnen befand sich eine riesige verschneite Badelandschaft, in der sich Eisbären tummelten. Pinguine watschelten frei umher und begegneten ihnen auf Schritt und Tritt. Sie ließen sich sogar streicheln.
„Wow, das ist ja cool!“, begeisterte sich der Koboldjunge.
„Nicht wahr?! Dir gefällt es hier!“
Plötzlich überzog ein Lächeln Griseldis Gesicht.
Blitzschnell beugte sie sich zu dem Kobold hinunter und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Nepomuck spürte eine seltsame Kälte, die ihn durchdrang und bis zu seinem Herzen wanderte.
„Du wirst mir meinen Sohn ersetzen und fortan bei mir leben! Dein vorheriges Leben und alle Gefühle sind ausgelöscht durch diesen Kuss. Ich werde nie mehr einsam sein!“, triumphierte die böse Fee. Nepomuck fühlte, wie ihm alles egal wurde.
Er fühlte selbst die Kälte um sich herum nicht mehr.
Sein Leben wurde eintönig, ohne dass es ihm bewusst wurde. Nachts schlief er in seinem Bett aus Eis, tagsüber leistete er der Eisfee Gesellschaft. So verging Tag um Tag und Woche um Woche. Jegliches Zeitgefühl war ausgelöscht.
Er fuhr den Berg mit einem Schlitten hinunter, und die Eisfee trug ihn Kraft ihrer Schwingen wieder hinauf. Er baute einen Kobold aus Schnee, der ihn schwach an irgendetwas erinnerte, doch so sehr er sich auch anstrengte, er vermochte seine Gedanken nicht zu fassen. Es schien als seien auch sie eingefroren.
Jede Pflanze, die ihren Kopf neugierig unter dem Schnee hervorstreckte, ließ die Fee sofort zu Eis erstarren.
Im Märchenwald froren Tiere, Kobolde und Elfen weiter. Die Bäume ächzten unter der Last des Schnees und jedes Leben schien erstarrt. Sehnsüchtig warteten alle auf milderes Wetter.
Und im Kobolddorf vermisste man Nepomuck. Die Elfe hatte zwar Bericht erstattet, doch inzwischen lag der Schnee so hoch, dass keiner der kleinen Waldschrate den weiten Weg zum Schloss zu gehen wagte.
Eine aber vermisste den kleinen Kobold ganz besonders! Jeden Abend nahm das Koboldmädchen Peggy sein Bild zur Hand und weinte bitterlich.
Eines Abends tropfte eine dieser Tränen direkt auf das Foto.
Im Eispalast aber erwachte Nepomuck und wischte sich verwundert über sein Gesicht. Was war das? Es fühlte sich feucht an wie eine Träne. Auf einmal wurde ihm ganz warm ums Herz. Nach und nach kehrten die Erinnerungen zurück. Freudig sprang er auf und lief zu Griseldis.
„Ich kann verstehen, warum dein Sohn dich verlassen hat!“, rief er. „Hier gibt es nur Gleichgültigkeit und Kälte. Aber selbst wenn du das ganze Land in Eis und Schnee erstarren lässt, wird er nicht zu dir zurückkehren, denn du bist mitleidlos und grausam!
Ich gehe jetzt zu meiner Familie und zu meiner Freundin Peggy zurück!“
Der Koboldjunge wandte sich zum Gehen.
„Bleib noch eine Nacht! Es ist doch schon dunkel, du wirst den Weg nach Hause nicht finden“, bettelte Griseldis.
Nepomuck überlegte. Wenn das nun eine Falle war? Doch die Eisfee hatte Recht.
„Gut! Aber keinen Kuss mehr! Sonst besuche ich dich nie wieder! Schnee und Eis darfst du nur im Winter zaubern, und morgen früh bekomme ich von dem leckeren Kuchen und Kakao sowie den Schlitten für die Abfahrt den Berg hinunter!“
„Einverstanden“, antwortete die Eisfee, und sie hielt tatsächlich Wort, denn sie hatte große Angst vor der Einsamkeit.
Als Nepomuck durch den Wald ins Kobolddorf zurücklief, blühten die Blumen und Vögel zwitscherten vergnügt. Es wurde zunehmend wärmer bis der Schnee schließlich völlig verschwand. Glückliche Elfen begleiteten den Koboldjungen, der jubelnd in seinem Dorf empfangen wurde.
Im Märchenwald aber erzählt man noch heute davon, wie eine einzige Koboldträne den Zauber der Eisfee brach.

© by Christine Erdic 

Die 1961 in Deutschland geborene Schriftstellerin Christine Erdiç, die seit dem Millennium in der Türkei wohnt, hat sich anscheinend den kleinen Zauber- und Naturwesen verschrieben.
Nachdem 2010 Nepomucks Abenteuer, die Geschichte eines kleinen Kobolds, der unfreiwillig unter dem Weihnachtsbaum einer Menschenfamilie als Weihnachtsgeschenk landet, im Handel erschien, folgten 2013 Zauberhafte Gerichte aus der Koboldküche, ein Kochbuch mit so klangvollen Rezeptnamen wie „Kobolds Goldtaler“ und „Punsch für kleine Kobolde“ und 2014 Geschichten aus dem Reich der Hexen, Elfen und Kobolde, ein Kinderbuch mit lustigen Ausmalbildern.
Wenn man die Autorin fragt, warum sie gerade diese Art von Büchern schreibt, so lautet ihre Antwort:  „Weil es mir selber Spaß macht und ich die Leser in dieser viel zu hektischen und von Konsum und Umweltzerstörung gezeichneten Gesellschaft auf humorvolle Weise zum Nachdenken bringen möchte. Und wo kann man da besser ansetzen als schon bei den Kindern."

Mehr Informationen über die Autorin, ihre Bücher und Projekte unter
Meine Bücher- und Koboldecke http://christineerdic.jimdo.com/
Reisetipps und Literatur https://literatur-reisetipps.blogspot.com.tr/