Donnerstag, 13. Dezember 2012

Wohin mit dem Weihnachtsmann? von Doris Sutter mit Illustrationen von Nicole Keipke





Der nasse Weihnachtsmann
Caro kuschelt sich gemütlich in ihr Kissen und träumt ein bisschen. Weihnachten ist vorbei, und sie hat viele tolle Geschenke bekommen. Auch das Eisbär-Puzzle, das sie sich schon lange gewünscht hatte.
Plötzlich klopft es an ihr Fenster. Ob das wieder der kleine Regentropfen ist? Caro schwingt die Beine aus dem Bett und schaut nach. Draußen steht, triefend nass und halb erfroren, der Weihnachtsmann.
„Du liebe Güte, Weihnachtsmann“, sagt sie erstaunt, „wie siehst du denn aus?“

Er ist wirklich ein Anblick zum Erbarmen.

Die rote Mütze hängt nass und platt auf seinem Kopf. Aus Haaren und Bart tropft das Wasser.

Mantel und Hose sind völlig durchnässt und um seine Stiefel herum bildet sich sofort eine Pfütze.

       „Wo kommst du überhaupt her? Weihnachten ist doch längst vorbei. Müsstest du nicht bereits wieder zu Hause in Himmelpfort sein?“

Caro schüttelt den Kopf, als sie die Pfütze sieht, die immer größer wird. Bevor der Weihnachtsmann noch zu einer Erklärung ansetzen kann, wird er von dem kleinen Mädchen strikt aufgefordert, erst mal die nassen Sachen auszuziehen, damit Caro sie in den Wäschetrockner stecken kann.

Da sitzt er nun, der alte Weihnachtsmann, das Haar vom Trockenrubbeln ganz verstrubbelt, der Bart verfilzt und nur in langen Unterhosen und einem dicken blauen Unterhemd.

„Ich bin eingeschlafen“, erzählt er. „Schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste. Die Arbeit strengt mich sehr an. Jedes Kind will, dass ich es besuche. Früher, da hatte ich Orangen und Nüsse in meinem Sack und ein paar Süßigkeiten. Heute schleppe ich in jedes Haus einen Sack, den ich kaum tragen kann.“

Caro guckt ein bisschen schuldbewusst.
Sie kann sich gut erinnern, wie schwer der arme Weihnachtsmann an seinem Sack schleppte, und wie viele Geschenke er ihr gebracht hat.
„Ja“, fährt der Weihnachtsmann fort. „Mit den Rentieren wird das auch jedes Jahr mühsamer. Keines will mehr auf einen alten Mann hören.“
„Erzähle mir einfach, warum du jetzt immer noch auf der Erde bist?“, fordert ihn Caro nochmals auf.
„Na ja, ich war sehr müde, als ich mit der Bescherung der Binnenschiffer fertig war. Da habe ich mich am Altrhein ans Ufer gesetzt, nur um mich ein bisschen auszuruhen, und dabei bin ich eingeschlafen. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, hat Vater Rhein gesagt, es gäbe für mich nur eine Hilfe und das wären Caro und Trolli!“
Caro guckt ein bisschen skeptisch. Wie sollten sie das denn wieder anstellen?

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 Leseprobe aus "Wohin mit dem Weihnachtsmann?" von Doris Sutter.