Montag, 10. Dezember 2012

Weihnachten mit Vater Rhein von Doris Sutter mit Illustrationen von Nicole Keipke



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 Ist Weihnachten nicht für alle da?
Seline, die kleine Wassernymphe, ist traurig. Dann passiert Folgendes:

„Ach, Vater“, murmelt die kleine Seline. „Die Menschen haben es gut. Im Sommer können sie mit ihren Booten in den Altrhein fahren. Sie schwimmen und lachen. Sie trinken und essen leckere Sachen. Wenn es kalt wird, haben sie eine warme Stube und jetzt ist eine ganz besondere Zeit für die Menschen: Weihnachten! Ich habe einmal heimlich gelauscht, als Caro ihrem kleinen gelben Gummiboot davon erzählte.“
Und wieder stößt sie einen abgrundtiefen Seufzer aus, der so tief ist, dass sogar der alte Vater Rhein ganz traurig wird.
„Ja, Kindchen“, sagt er. „Das ist eine schöne Zeit für die Menschen. Überall werden jetzt Lichter aufgehängt und die Tannenbäume werden geschmückt. Es gibt Weihnachtsmärkte mit Musik. Und wenn es Frau Holle schneien lässt, dann halten die Menschen Becher mit ganz heißen Getränken an ihre Wangen und ihre Augen funkeln genauso wie die Lichter um sie herum.“
Jetzt seufzt auch der alte Vater Rhein.
In Mainz, da fließt er immer an einem Weihnachtsmarkt vorbei und wenn von der gegenüberliegenden Seite die Wasserfrauen des Mains zu Besuch kommen, dann erzählen auch sie von dem wunderbaren Weihnachtsmarkt in Frankfurt.
„Ja, du hast Recht, Seline, warum sollen nur die Menschen Weihnachten feiern?“  Vater Rhein nickt mit seinem weisen Haupt.
„Aber wie können wir das nur machen, Vater?“, fragt die kleine Nymphe.
(...)


Leseprobe aus  "Weihnachten mit Vater Rhein" von Doris Sutter,

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